Ein Elternteil rief kürzlich bei uns an und sagte: „Ich weiß gar nicht, wen ich eigentlich brauche. Der Kinderarzt hat ‚Psychotherapeut‘ gesagt, ich dachte wir müssten zum Psychiater und im Internet steht überall Kinderpsychologe.“
Diese Verwirrung erleben wir bei klein&groß häufig. Die Begriffe Psychiater, Psychotherapeut und Psychologe klingen ähnlich, meinen aber unterschiedliche Berufe mit unterschiedlichen Ausbildungen, Aufgaben und Möglichkeiten. Wer das nicht weiß, verliert in einer ohnehin belastenden Situation wertvolle Zeit.
Der richtige Ansprechpartner ist nicht der, der am schnellsten einen Termin hat – sondern der, dessen Ausbildung zum Problem Ihres Kindes passt.
Was macht ein:e Kinder- und Jugendpsychiater:in?
Kinder- und Jugendpsychiater:innen haben Medizin studiert und anschließend eine Facharztausbildung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie absolviert. Damit sind sie Ärzt:innen – und das unterscheidet sie grundlegend von den beiden anderen Berufsgruppen: Nur sie dürfen Medikamente verschreiben, zum Beispiel bei einer ADHS-Diagnose oder bei stärker ausgeprägten psychischen Erkrankungen, und nur sie können körperliche Ursachen von Symptomen ärztlich abklären.
Was wir bei klein&groß dazu sagen: Eine psychiatrische Abklärung ist sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine medikamentös behandelbare Erkrankung besteht oder wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen werden müssen. Für die eigentliche Behandlung – also die therapeutische Arbeit mit Ihrem Kind – ist meist eine andere Berufsgruppe zuständig.
Was macht ein:e Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in?
Hier setzt unsere Arbeit bei klein&groß an. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen sind keine Ärzt:innen, sondern Fachkräfte mit einer staatlichen Approbation für Psychotherapie. Diese Approbation erlaubt es ihnen, psychische Störungen eigenständig zu diagnostizieren und mit anerkannten Therapieverfahren zu behandeln – bei uns mit Verhaltenstherapie.
In der Praxis bedeutet das: Ihr Kind spricht regelmäßig mit seiner Therapeutin oder seinem Therapeuten, lernt konkrete Strategien für den Umgang mit Ängsten, Zwängen, Aufmerksamkeitsproblemen oder anderen Belastungen kennen und übt diese Schritt für Schritt im Alltag.
Bei uns beginnt jede Therapie mit bis zu fünf probatorischen Terminen. In dieser Kennenlernphase bauen wir eine Beziehung zu Ihrem Kind auf und führen die Diagnostik durch – dazu gehören auch Fragebögen für Sie als Eltern und, wenn sinnvoll, für die Lehrkräfte. Danach folgt in der Regel eine Kurzzeittherapie mit 24 Sitzungen. Braucht Ihr Kind mehr Zeit, kann anschließend eine Langzeittherapie beantragt werden.
Nicht die schnelle Lösung von außen, sondern das gemeinsame Erarbeiten von Werkzeugen, die Ihr Kind langfristig selbst anwenden kann – das ist der Kern der Psychotherapie.
Medikamente können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen nicht verschreiben. Ist eine medikamentöse Unterstützung nötig, arbeiten wir eng mit Kinder- und Jugendpsychiater:innen sowie Kinderärzt:innen in Köln zusammen.
Wo liegt der Unterschied zum Psychologen?
Hier entsteht die größte Verwechslung – zu Recht, denn die Begriffe hängen eng zusammen. Psycholog:in ist zunächst ein Studienabschluss: Wer Psychologie studiert hat, darf sich Psycholog:in nennen, ist damit aber noch nicht zur eigenständigen Behandlung psychischer Erkrankungen berechtigt.
Für die Behandlung braucht es die Approbation als Psychotherapeut:in. Der Weg dorthin hat sich 2020 mit einer Reform des Psychotherapeutengesetzes geändert:
• Bisheriger Weg: Studium (meist Psychologie, bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen auch Pädagogik oder Sozialpädagogik), danach eine mehrjährige Psychotherapieausbildung mit staatlicher Prüfung und Approbation
• Neuer Weg seit der Reform: ein eigenes Psychotherapie-Studium, das mit der Approbation abschließt, danach eine Weiterbildung, zum Beispiel für Kinder und Jugendliche
Für Sie als Eltern entscheidend ist nicht der Weg, sondern das Ergebnis: die Approbation. Kurz zusammengefasst:
• Psycholog:in: Studienabschluss in Psychologie, keine Behandlungserlaubnis für psychische Erkrankungen allein durch das Studium
• Psychotherapeut:in: approbierte Fachkraft, eigenständige Diagnose und Behandlung möglich, keine Medikamente
• Psychiater:in: ärztliche Ausbildung mit Facharztausbildung, Diagnose und Behandlung inklusive Medikamentenverschreibung
Bei klein&groß arbeiten ausschließlich approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen – Sie können also sicher sein, dass Ihr Kind bei uns von jemandem betreut wird, der die volle fachliche und rechtliche Qualifikation für die eigenständige Behandlung mitbringt.
Welche Anlaufstelle passt zu Ihrem Kind?
Eine erste Orientierung kann helfen, muss aber keine endgültige Entscheidung sein – oft klärt sich die passende Anlaufstelle erst im persönlichen Gespräch:
• Vermuten Sie eine körperliche Ursache oder kommt eine medikamentöse Behandlung infrage? → Kinder- und Jugendpsychiater:in
• Geht es um Ängste, Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsprobleme oder emotionale Belastungen, die therapeutisch bearbeitet werden sollen? → Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in
• Sind Sie unsicher, ob überhaupt eine Behandlung nötig ist, und suchen zunächst eine fachliche Einschätzung? → Einzelsprechstunde für Eltern kann Orientierung geben
Was wir bei klein&groß anbieten können, ist Orientierung. Wenn Sie zunächst nur eine fachliche Einschätzung möchten, ist unsere Einzelsprechstunde für Eltern ein guter Einstieg. Bei Bedarf vermitteln wir Sie an die passende ärztliche Stelle weiter.
Einen Ersttermin für eine ambulante Verhaltenstherapie bekommen Sie bei uns in der Regel innerhalb von 2 bis 4 Wochen. In unserem Online-Terminkalender sehen Sie, ob wir aktuell freie Plätze anbieten können.
