Viele Jugendliche kennen es als unangenehmes Gefühl: Eine Klassenarbeit steht bevor, ein Referat muss gehalten werden oder die Lehrkraft ruft sie spontan vor die Klasse. Ein kurzer Moment der Nervosität ist jetzt völlig normal.
Bei manchen Schülerinnen und Schülern entwickelt sich daraus jedoch eine starke Angst vor Leistungssituationen. Die Sorge, zu versagen oder negativ bewertet zu werden, kann so groß werden, dass sie den Schulalltag massiv belastet.
Gerade Jugendliche der 9. bis 13. Klasse stehen unter besonderem Druck. Noten entscheiden über Abschlüsse, Ausbildungswege oder Studienmöglichkeiten. Gleichzeitig befinden sie sich in einer Lebensphase, in der Selbstwert und Identität noch stark in Entwicklung sind.
Was ist Leistungsangst oder Prüfungsangst?
Prüfungsangst beschreibt eine starke Angst vor schulischen Leistungsanforderungen, etwa vor Klassenarbeiten, Referaten oder mündlichen Beiträgen im Unterricht.
Viele betroffene Jugendliche haben nicht nur Angst vor einer schlechten Note. Häufig steht dahinter die Befürchtung:
- zu versagen
- sich zu blamieren
- von Lehrkräften oder Mitschülern negativ bewertet zu werden
- die eigenen Erwartungen oder die der Eltern nicht zu erfüllen
Die Situation wird dann als Bedrohung für das eigene Selbstwertgefühl erlebt. In manchen Fällen reicht schon die Vorstellung einer Prüfungssituation aus, um starke Anspannung auszulösen.
Typische Anzeichen von Leistungsangst
Eltern bemerken häufig, dass ihr Kind vor Prüfungen oder Referaten stark belastet wirkt. Die Angst kann sich auf unterschiedlichen Ebenen zeigen.
Körperliche Reaktionen
Viele Jugendliche berichten über körperliche Stresssymptome, zum Beispiel:
- Herzklopfen
- Nervosität und innere Unruhe
- Muskelverspannungen
- Bauchschmerzen oder Übelkeit
- Schlafprobleme vor Klassenarbeiten
Diese oder ähnliche Symptome können bereits Tage vor einer Prüfung auftreten.
Gedankliche Blockaden
Auch die Gedanken spielen eine große Rolle. Häufige innere Sätze sind zum Beispiel:
- „Ich schaffe das sowieso nicht.“
- „Ich werde mich blamieren.“
- „Alle anderen können das besser als ich.“
Solche Gedanken verstärken die Angst und können dazu führen, dass Jugendliche sich immer weniger zutrauen.
Auswirkungen auf die Leistung
Leider kann starke Prüfungsangst genau das bewirken, wovor Jugendliche sich fürchten: eine schlechtere Leistung. Während Klausuren oder Referaten kann es zu
- Konzentrationsproblemen
- Gedächtnislücken
- Aufmerksamkeitsfehlern oder
- Sprechhemmungen
kommen. Viele Jugendliche erleben diese Situation als besonders frustrierend, weil sie eigentlich gut vorbereitet sind, ihre Leistung aber im entscheidenden Moment nicht abrufen können.
Wie eine Gruppentherapie bei Leistungsangst helfen kann
Viele Jugendliche erleben es als große Entlastung, zu merken „Ich bin nicht der oder die Einzige mit diesem Problem.“
Genau hier setzt eine Gruppentherapie für Leistungsangst an. In einem geschützten Rahmen können Jugendliche gemeinsam lernen, besser mit stressreichen Leistungssituationen umzugehen.
Unser Gruppenangebot bei klein&groß richtet sich an Jugendliche der 9. bis 13. Klasse (14–18 Jahre).
Die Gruppe umfasst maximal neun Teilnehmende und wird in der Regel von zwei Therapeutinnen oder Therapeuten begleitet.
Das Programm besteht aus 12 Sitzungen:
- 9 Sitzungen mit den Jugendlichen
- 3 Sitzungen mit Eltern
Was Jugendliche in der Gruppe "Leistungsangst überwinden" lernen
Das Gruppenprogramm vermittelt verschiedene Strategien, um mit Leistungsdruck besser umzugehen.
1. Angst besser verstehen
Zu Beginn lernen die Jugendlichen, wie Angst entsteht und warum sie gerade in Leistungssituationen so stark werden kann.
Gemeinsam wird besprochen:
- welche Situationen Angst auslösen
- wie Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen zusammenhängen
- welche Rolle Stress im Körper spielt
Der Austausch in der Gruppe hilft vielen Jugendlichen, sich mit ihrer Angst nicht mehr allein zu fühlen.
2. Belastende Gedanken verändern
Ein wichtiger Teil der Therapie ist der Umgang mit angstauslösenden Gedanken.
Jugendliche lernen:
- typische negative Gedanken zu erkennen
- diese kritisch zu hinterfragen
- hilfreiche und realistischere Gedanken zu entwickeln
3. Den Körper beruhigen
Da Angst sich stark im Körper zeigt, lernen Jugendliche auch Strategien zur körperlichen Stressregulation.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Atemtechniken
- Entspannungsübungen
- Strategien für akute Stressmomente
4. Mutig neue Erfahrungen machen
Im weiteren Verlauf üben Jugendliche, sich schwierigen Situationen schrittweise zu stellen.
Ziel ist es, wieder mehr Sicherheit zu gewinnen – etwa bei:
- Referaten
- mündlichen Beiträgen
- Klassenarbeiten
Warum auch Eltern in die Gruppentherapie einbezogen werden
Eltern spielen eine wichtige Rolle im Umgang mit Leistungsangst. Deshalb beinhaltet das Programm auch drei Sitzungen mit Eltern. Dort geht es unter anderem darum:
- Leistungsdruck besser zu verstehen
- hilfreiche Unterstützung im Alltag zu besprechen
- typische Stresssituationen gemeinsam zu reflektieren
Wie die Aufnahme in die Gruppetherapie bei klein&groß erfolgt
Vor der Teilnahme findet zunächst ein Vorgespräch statt. Dabei wird gemeinsam mit dem Jugendlichen und den Eltern geklärt:
- welche Belastungen aktuell bestehen
- ob das Gruppenangebot passend ist
Anschließend folgen in der Regel drei bis fünf probatorische Sitzungen. In dieser Phase lernen wir den Jugendlichen genauer kennen und führen bei Bedarf diagnostische Verfahren durch.
Weitere Infos zu unserem Gruppenangebot Leistungsangst bei Jugendlichen, sowie die nächsten Starttermine finden Sie hier: Gruppenangebot Gemeinsam Leistungsangst überwinden >>
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